Websitelogo
Sitemap
impfforum
impfblog

SSPE- eine Masernkomplikation- nicht nur bei Kindern

Autor: Jörg J Schmitt, Neurologe, Epilepsiezentrum Bethel, Deutschland.

 

Ein mittlerweile 32jähriger Bankkaufmann türkischer Abstammung, seit seinem ersten Lebensjahr dauerhaft in Deutschland lebend (Abitur, aktiver Fußballspieler in der Freizeit), zeigte im Alter von 26 Jahren erstmals psychische Veränderungen.

Er zog sich zurück, wurde interesselos, die Konzentration ließ nach. Während des Sommerurlaubs vor 6 Jahren trat dann erstmals ein generalisierter tonisch-klonischer Anfall auf.

Im Rahmen der anschliessenden stationären Behandlung wurde er innerhalb von Wochen zunehmend verwirrt, entwickelte paranoide und wahnhafte Symptome. Der psychische Zustand besserte sich weder durch Medikamente noch durch insgesamt 12 Elektrokrampfbehandlungen.

Etwa acht Monate nach Beginn der Erkrankung war der Patient durchgehend arbeitsunfähig. Es bestanden weiterhin ein schwerer Antriebsverlust, psychotische Symptome und Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und eine erhebliche Beeinträchtigung bei der Ausführung einfacher Handlungen (Apraxie).

Er benötigte Ansporn und z.T. auch Hilfe beim Anziehen und Waschen, der Toilettengang war noch alleine möglich.

Vorübergehend unter Interferonbehandlung keine Verschlechterung.

2 Jahre nach Beginn der Erkrankung lesen und rechnen kaum mehr möglich, zeitliche Desorientierung, weiß z.T. nicht, wer er selbst ist. Die Handlungsfähigkeit ist so gestört, dass man ihm erklären muss, wie man sich auf eine Liege legt oder auf eine Waage steigt. Sprachlich treten jetzt deutliche Wortfindungsstörungen auf. Im Umgang freundlich, fast unterwürfig, verzweifelt über die Erkenntnis, dass alle seine Fähigkeiten nach und nach verschwinden.

Als ich ihn fünf Jahre nach Krankheitsbeginn zum erstenmal sah, konnte er nicht mehr sinnvoll sprachlich kommunizieren, hatte eine medikamentös nicht einstellbare Epilepsie. Er sprach in einfachen, zusammenhanglosen und fehlerhaften Satzfragmenten, konnte sich seiner Umwelt kaum noch mitteilen und neigte aus Unmut und Überforderung zu plötzlichen aggressiven Ausbrüchen, die zeitweise ein erhebliches Problem für die Pflege darstellten, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits hochdosiert Antiepileptika und Psychopharmaka erhielt.

Er benötigt Hilfe bei allen Tätigkeiten und muss durchgehend eine Windel tragen. Der Zustand sei unter wiederholten Interferontherapien in den letzten beiden Jahren weitgehend unverändert gewesen.

Im Alter von 1 ½ Jahren hatte er in Deutschland die Masern durchgemacht. Die diagnostische Abklärung mit klinischem Befund, typischem EEG-Befund und massiv erhöhten Antikörpern gegen das Masernvirus in der cerebrospinalen Flüssigkeit (Rückenmarkswasser) hatte 7 Monate nach Krankheitsbeginn die Diagnose einer Subakuten Sklerosierenden Panencephalitis (SSPE), einer tödlichen und immer wieder nicht diagnostizierten Masernkomplikation, ergeben.

Die Krankheit war hier im Erwachsenenalter mit ungewöhnlich langem zeitlichen Abstand nach der Masernerkrankung und auch eher langsamem Verlauf aufgetreten. Es hat den Anschein, dass das Fortschreiten der Krankheit, die meist innerhalb eines Jahre zum Tod führt, durch die Therapie verlangsamt, vielleicht sogar zeitweise gestoppt werden konnte.

Eine nachhaltige Verbesserung aber hat es nie gegeben. Selbst wenn die Krankheit ausgebrannt ein sollte, wird dieser Mann infolge seiner Masernerkrankung lebenslang schwerstbehindert und pflegebedürftig bleiben. Die MMR-Impfung hätte dies verhindern können.

Erstellt 6.9.2004 durch Jörg J. Schmitt

 

 

Kommentar:

Das extrem lange Intervall zwischen Masern und ersten Symptomen hat mit Sicherheit die Diagnose erschwert. Ebenso ungewöhnlich ist die lange Verlaufsform unter Interferon Therapie- wobei aber die Lebensqualität schlecht ist. Kollege Schmitt ist ebenfalls der Überzeugung, dass SSPE viel häufiger vorkommt. Fest steht SSPE ist häufiger, aber hinter jedem SSPE-Fall stehen mehrere unmittelbar an Masern Verstorbene.

Vermeidbar durch Impfen 2xMMR.


SSPE bei 32-Jährigem   (zuletzt geändert am 28.06.07 02:19)
© 2004-2010 impfinformationen.de Haftungsausschluss | Impressum